„Allein ein Drittel aller Beschwerden im HNO-Bereich sind Zeichen einer funktionellen Störung der oberen Halswirbelsäule“.

Quelle: Hülse, Neuhuber, Wolff (2005)

Die obere Halswirbelsäule


Hier eine Auflistung der Beschwerden, welche häufig bei Problemen der Halswirbelsäule und/oder der Kieferregion auftreten:

· Nacken- und Rückenbeschwerden
· Schmerzen in den Schultern
· Migräne/Kopfschmerzen
· Zahn- und Kieferprobleme,

· Zähneknirschen / "Pressen"
· Kloß im Hals-Gefühl
· Störungen an Zunge und Rachen
· Tinnitus/Ohrensausen/Ohrenschmerzen
· Gesichtsschmerzen
· Starke Wetterempfindlichkeit
· Taubheit/Schmerzen in Händen/Fingern
· Hohe Lärmempfindlichkeit/

· Starke Lichtempfindlichkeit
· Konzentrationsschwäche/Antriebslosigkeit
· Schwindel/Ohrenrauschen
· Gesichtsfeldausfälle/Augenprobleme
· Allgemeine Schwäche

· Chronische Müdigkeit
· Kalte oder schmerzende Füße/Hände
· Hüft- und Knieschmerzen
· Beckenschiefstand
· chron. Husten/Bronchitis/Sinusitis/Otitis
· Depression/Aggression
· Angstzustände
· Atembeschwerden bis Asthma
· Nervliche Überbelastung/Burn-Out
· Multiorganbeschwerden v.a. auch Schilddrüsendysfunktionen

Kiefer- und Atlastherapie

Strukturelle und funktionale Beeinträchtigungen der oberen Halswirbelsäule sind sehr häufig mitbeteiligt – wenn nicht gar Auslöser – für verschiedenste Symptombilder im ganzen Körper. Oft ist ein blockierter Atlas (1. Halswirbel) und dessen zentrale Verbindungen zu Schädel, Kiefergelenk und Wirbelsäule eine wichtige aber verborgene Ursache sog. „idiopatischer“ Störungen.

Wenn hier eine Beeinträchtigung vorliegt, ist systemisch ein Verlust von physiologischem Gleichgewicht gleichsam vorprogrammiert. Eine solche Schwachstelle kann bereits seit unserer Geburt existieren oder aber ist Folge von Unfällen (Schleudertrauma), starken psychischen Belastungen, Kieferfehlstellungen, Beckenschiefstand oder gar Infektionskrankheiten.

Der Atlas „trägt“ nicht nur den Schädel, sondern nimmt auch eine zentrale Stellung ein im Bezugssystem von Orientierung und Gleichgewichtssinn sowie für motorische Steuerung der Wirbelsäule und des gesamten Bewegungsapparates. Daher können Störungen in diesem Bereich auch die strukturelle Körperhaltung, Beckenstand und z.B. Beinlängen beeinflussen.

Die obere Halswirbelsäule stellt eine zentrale, sehr bewegliche und äußerst sensible Region des Körpers dar. Die Koordination peripherer Information (durch das Nervensystem) mit motorischer Steuerung (Kopf-, Rumpf-, Extremitäten-, Augen-, Kau-, Schlund-, Kehlkopf- und Zungenmuskulatur) involviert die  Halswirbelsäule wie ein echtes Sinnesorgan.

Kompressionskräfte und Bewegungseinschränkungen in diesem Bereich können die Medulla Oblongata, das Rückenmark, verschiedene Hirn- und Spinalnerven sowie periphere Nervenbahnen einem Dauerdruck aussetzen – Nervenimpulse werden so reduziert, verfälscht oder stehen unter Dauerstress. Gleichzeitig können natürlich auch Blutgefässe und Lymphbahnen eingeengt und gestaut werden und so weiträumig verteilte Dysfunktionen verursachen.

Bei Schmerzgeschehen im Bereich von Rücken, Kopf und Nacken spielen auch nicht selten Fehlfunktionen des stomatognathen Systems eine auslösende Rolle: Fehlstellungen der Zähne, insuffizienter Zahnersatz oder Parafunktionen wie Zähneknirschen oder Pressen, genauso wie Stress, können ursächlich sein.

Umgekehrt können durch Lumbalgien oder Ischialgien bedingte Fehlhaltungen des Rumpfes zu Fehlhaltungen der Kiefergelenke und der oberen Halsregion führen. Die enge funktionelle Verbindung von Kiefer-, Kopf- und Ileosacralgelenken wird durch das propriozeptive System gesteuert, das zur Orientierung der Haltung und des Bewegungsapparates im Raum dient. Durch die hohe Ausprägung von Nervenrezeptoren reagieren diese Gelenke sehr empfindlich auf Fehlbelastungen. Wenn ein Gelenk gestört ist, zeigt sich die pathologische Belastung auch in den anderen Gelenksystemen.

Die Dysfunktion des Kiefergelenks reagiert deshalb beispielsweise mit einem Schmerzkomplex in der Lenden-Beckenregion – häufig genug therapieresistent oder rezidivierend. Dabei ist eine differenzialdiagnostische Abgrenzung des gestörten Gelenks mit schulmedizinischen Mitteln oft nicht möglich.

Vorraussetzung für eine erfolgreiche und dauerhafte Therapie ist immer eine ganzheitliche therapeutische Betrachtungsweise unter Einbeziehung des ganzen Individuums – alle Strukturen und Blockaden müssen berücksichtigt werden. Auch reagiert jeder Körper anders und es bedarf umfassender Aufmerksamkeit des Behandlers um einen eingeleiteten Prozess zu verfolgen und Körperreaktionen Zeit und Raum zu geben, um  integrierbar zu sein. Eine mechanische Vorgehensweise, z. B. mittels eines Gerätes oder mit Hilfsmitteln kann dies wohl kaum leisten.